Blog #14 Was braucht unsere Zither-Szene?
Die Zither ist ein Nischeninstrument, die Zahl der Zitherspielerinnen und Zitherspieler ist überschaubar und damit auch die Größe unserer Community. Das bringt sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich. Doch was braucht unsere kleine Zitherfamilie eigentlich, um lebendig zu bleiben, sich weiterzuentwickeln und neue Menschen zu begeistern?
Blog #14 Was braucht unsere Zither-Szene?
Ich bin überzeugt, dass unsere Zitherszene nicht durch mehr Konzerte, bessere Instrumente oder größere Sichtbarkeit aufblüht. Sie wächst durch Gemeinschaft, gegenseitige Vernetzung, gemeinsames Musizieren, Begegnungen, Austausch und die Freude daran, Zeit miteinander zu verbringen. So entsteht eine kreative, lebendige Zitherfamilie, in der jeder so sein darf, wie er ist.
In diesem Blog möchte ich der Frage nachgehen, was wir als Zitherszene wirklich brauchen. Was wünschen sich Zitherspielerinnen und Zitherspieler, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Solisten, Studierende, Pensionisten, Erwachsene, Kinder, Jugendliche und alle Menschen, die die Zither lieben? Welche Voraussetzungen helfen uns dabei, kleine und große Träume in die Realität umzusetzen?
Eine lebendige Zitherszene entsteht nicht zufällig. Sie wächst dort, wo Menschen gerne Zeit miteinander verbringen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam etwas bewegen wollen. Wenn ich darüber nachdenke, was unsere Zitherszene wirklich braucht, komme ich immer wieder auf dieselben sieben Punkte:
- Gemeinschaft und Wertschätzung
- Austausch und Vernetzung
- Bildung
- Möglichkeiten zum Musizieren
- Gute Rahmenbedingungen
- Offenheit
- Sichtbarkeit
All diese Punkte finden wir bereits in unserer Zitherszene – manches stärker ausgeprägt, manches hat noch Luft nach oben. Und offensichtlich funktioniert vieles davon auch: Die Zither ist schließlich nicht ausgestorben.
Gemeinschaft und Wertschätzung
Lasst uns von einer Welt träumen, in der sich jeder Zitherspieler willkommen fühlt – ganz egal, wie alt er ist, was er kann oder welche Musik er spielt. Einer Welt, in der Leistungsdruck und Konkurrenz konstruktiv wirken, in der man sich gegenseitig unterstützt, voneinander lernt und gemeinsam wächst.
Austausch und Vernetzung
Unsere Zitherszene lebt von Begegnungen. Ob beim Stammtisch, im Workshop, im Verein, auf Festivals oder einfach beim Plaudern nach einem Konzert – überall dort entstehen neue Ideen, Projekte und Freundschaften. Genau dieser Austausch hält unsere Gemeinschaft lebendig und macht sie zu etwas Besonderem. Denn würden wir alle nur unser eigenes Süppchen kochen, gäbe es kaum neue Ideen, keine gemeinsamen Projekte und keine Weiterentwicklung. Erst wenn wir offen aufeinander zugehen und den Blick über den eigenen Tellerrand wagen, entsteht etwas Neues.
Bildung und Weiterentwicklung
Eine lebendige Zitherszene lebt davon, dass Wissen weitergegeben wird. Engagierte Lehrkräfte, inspirierende Workshops, ein vielfältiges Unterrichtsangebot und Möglichkeiten zur Weiterbildung sind das Fundament dafür. Lernen hört nicht nach der ersten Prüfung oder dem ersten Konzert auf – es begleitet uns ein Leben lang. Denn jeder neue Impuls macht uns zu besseren Musikern und bereichert unsere Zitherszene.
Möglichkeiten zum Musizieren
Die Leidenschaft für die Zither braucht Raum, um gelebt zu werden. Konzerte, Ensembles, Orchester, Wettbewerbe, offene Bühnen oder kleine Hausmusikabende sind dafür unverzichtbar. Jede Möglichkeit, die Zither mit anderen zu teilen – ob im kleinen Kreis oder auf einer großen Bühne – stärkt Motivation, Selbstvertrauen und den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft.
Gute Rahmenbedingungen
Damit sich unsere Zitherszene weiterentwickeln kann, braucht sie gute Rahmenbedingungen. Dazu gehören hochwertige Instrumente, gutes Notenmaterial, Literatur und finanzielle Unterstützung. Ebenso wichtig sind Probenräume, Veranstaltungsorte und engagierte Organisationen, die Ideen aufgreifen, Projekte ermöglichen und sie langfristig begleiten.
Offenheit und Innovation
Unsere Tradition ist ein wertvoller Schatz, den wir hegen und pflegen müssen. Doch Tradition darf niemals Stillstand bedeuten. Denn wo Stillstand einkehrt, hört das Herz auf zu schlagen – und unsere Zitherszene verliert ihre Lebendigkeit. Ich wünsche mir Offenheit für neue Musik, neue Konzertformate, unterschiedliche Stilrichtungen und moderne Medien. Nur wenn wir unsere Wurzeln bewahren und gleichzeitig den Mut haben, Neues zuzulassen, können wir auch kommende Generationen für die Zither begeistern.
Sichtbarkeit und Begeisterung
Was niemand sieht, kann auch niemand entdecken. Deshalb braucht unsere Zitherszene Menschen, die ihre Begeisterung für die Zither nach außen tragen – mit Konzerten, Schulprojekten, Videos, Blogs, sozialen Medien oder einfach durch persönliche Begegnungen. Denn jede sichtbare Zither kann einen Menschen begeistern. Und jede neue Begeisterung kann der Anfang einer wunderbaren musikalischen Reise sein.
Das Wichtigste aber bleibt der Mensch.
Keine noch so gute Bühne, kein perfektes Instrument und keine umfangreiche Notensammlung können ersetzen, was eine Gemeinschaft ausmacht: Respekt, Offenheit, Hilfsbereitschaft und die Freude an der Musik. Eine gesunde Zitherszene entsteht dann, wenn jeder Einzelne – vom ersten Zupfen einer Saite bis zum professionellen Konzert – das Gefühl hat, Teil einer Gemeinschaft zu sein, dazu zu gehören. Denn letztlich wachsen nicht Instrumente oder Vereine, sondern Menschen. Und mit ihnen wächst die ganze Zitherszene.
Von all diesen Punkten möchte ich auf einen besonders eingehen: den Austausch und die Vernetzung. Genau deshalb habe ich mich entschieden, dieses Thema in meinem Blog zu beleuchten.
Mein größtes Anliegen:
Was mir besonders am Herzen liegt, ist die Vernetzung unter den Zitherspielern, sich austauschen, einander begegnen und gemeinsam Zeit verbringen – genau darin liegt für mich die größte Stärke unserer Szene.
Meine schönsten Ideen entstanden am Café-Automaten im Gespräch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Damals im Studium genauso wie später an meinen unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Dort entstanden musikalische Freundschaften, wurden Pläne geschmiedet und ein bisschen zu groß geträumt.
Genau aus diesen Begegnungen entstand schließlich auch die Idee für das Südtiroler Festival – ein echtes Herzensprojekt. Im Februar 2028 geht es bereits in die zweite Runde. Für mich soll dieses Festival vor allem eines sein: ein Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem Menschen miteinander musizieren, sich kennenlernen, Ideen spinnen und vielleicht sogar Freundschaften fürs Leben schließen.
Es muss aber nicht immer in Form eines Festivals sein. Das Plaudern im Gang bei den letzten Zitherwettbewerben in München und Österreich war auch wieder unglaublich bereichernd. Ich hab mich sehr über den Austausch über die Landesgrenzen gefreut, über den Ratscher beim Café oder die paar Worte im Gang. Das ein oder andere Austauschkonzert wird durch diese Begegnungen sicher zustande kommen!
Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele sich nicht trauen, den ersten Schritt zu machen. Vielleicht aus Angst, nicht gut genug zu sein. Vielleicht aus Sorge, den Erwartungen anderer nicht zu entsprechen. Oder einfach, weil man lieber unter sich bleibt.
Dabei sind genau diese Begegnungen der Nährboden für alles Neue. Nicht Perfektion verbindet Menschen, sondern gemeinsame Erlebnisse. Wenn bei einem gemeinsamen Wochenende gelacht, musiziert und ausprobiert wird, dann spielt es keine Rolle mehr, wer technisch der Beste ist.
Ich blicke deshalb mit großer Freude auf unsere Zitherszene. Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die mit echter Begeisterung musizieren und deren Augen zu leuchten beginnen, sobald sie von der Zither erzählen. Ich darf mit großartigen Solistinnen und Solisten auf der Bühne stehen, bewundere die Ideen und Projekte meiner Kolleginnen und Kollegen und erlebe Kinder voller Neugier und Tatendrang. All das zeigt mir: Unsere Szene lebt. Und genau deshalb bin ich überzeugt, dass ihre Zukunft nicht von perfekten Rahmenbedingungen abhängt, sondern von den Menschen, die sie gestalten.
Vielleicht können wir alle unseren kleinen Beitrag dazu leisten. Einen Kollegen auf einen Café einladen. Gemeinsam Pläne für ein Konzert schmieden. Eine andere Zitherklasse besuchen oder zu sich einladen. Oder einfach den ersten Schritt machen und jemanden ansprechen. Denn genau so wächst die Szene – Begegnung für Begegnung.
Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns schon bald irgendwo – bei einem Konzert, einem Workshop oder einfach auf einem Café. Ich würde mich freuen.




